Mitteilung des Polizeipräsidiums Unterfranken
Das Polizeipräsidium Unterfranken stellte am Freitagvormittag den Sicherheitsbericht für das Jahr 2024 vor.
In einer Pressekonferenz präsentierten Polizeipräsident Detlev Tolle, Kriminaldirektor Manuel Rösch und Polizeirat Tobias Rupp Zahlen und Daten der Polizeilichen Kriminal- und Verkehrsstatistik für den Regierungsbezirk.
Rückläufige Kriminalitätsentwicklung in Unterfranken
Das Polizeipräsidium Unterfranken verzeichnete im Jahr 2024 insgesamt 50.196 Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße).
Damit sanken diese im Vergleich zum Vorjahr (2023: 50.385) um 189 bekannt gewordene Fälle. Die hohe Aufklärungsquote von 70,7 % im Jahr 2023 sank für das Berichtsjahr 2024 leicht auf 70,1 %. Trotzdem konnte die Polizei somit annähernd drei von vier Straftaten aufklären.
Die Häufigkeitszahl, ein aussagekräftiger Indikator, um die Sicherheit in Regionen und Städten vergleichen zu können, verbesserte sich von 3.776 auf 3.750 (Straftaten pro 100.000 Einwohner) auf einem im gesamtbayerischen Vergleich niedrigem Niveau.
Die vergleichsweise niedrige Häufigkeitszahl und eine hohe Aufklärungsquote belegen, dass die Menschen in Unterfranken sicher leben und sich auch sicher fühlen können.
Entwicklung in den kreisfreien Städten und Landkreisen
Ein Blick auf die kreisfreien Städte Schweinfurt und Würzburg zeigt, dass die Fallzahlen hier im Jahr 2024 um 4,3 % und 0,6 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind.
In Aschaffenburg sanken die Straftaten um 8,4 %. Die drei Städte wiesen hierzu eine Aufklärungsquote zwischen 67,9 und 70,9 % auf und liegen mit Blick auf die geklärten Straftaten über dem bayernweiten Durchschnitt.
In den Landkreisen nahmen die Fallzahlen im Vorjahresvergleich zwischen 1,0 und 7,6 % zu. Zu einer Reduzierung der Straftaten zwischen 5,8 und 10,4 % kam es in den Landkreisen Miltenberg, Kitzingen, Bad Kissingen und Haßberge.
Diebstahlsdelikte stellen größten Anteil der Fallzahlen
Die Deliktsgruppe der Diebstahlsdelikte macht mit 13.696 Fällen weiterhin ein Viertel (25,5 %) der Gesamtstraftaten in Unterfranken aus. Im Bereich des sogenannten einfachen Diebstahls stiegen die Fallzahlen um rund 3,5 % auf 9.803 (2023: 9.476) Delikte.
Schwerpunkte bei den Diebstahlsdelikten sind der Ladendiebstahl mit 3.934 (2023: 3.971) Fällen und der Fahrraddiebstahl mit 1.476 (2023: 1.498) Delikten.
Eine Steigerung um 26,0 % gab es im Bereich des Diebstahls aus Kraftfahrzeugen. Hier machen es leider einige Autofahrer den Dieben ausgesprochen leicht und lassen ihre Autos unverschlossen stehen.
Entwicklung einzelner Deliktsfelder
Im Bereich der Vermögensdelikte sind mit Blick auf Fälle mit Tatort Unterfranken nahezu gleiche Fallzahlen von 8.659 zu 8.606 (2023) Fällen festzustellen. Hierunter stellt der Betrug knapp 75 % der einschlägigen Fallzahlen.
Bei den Callcenter-Betrugsdelikten, die eine Teilmenge der Vermögensdelikte darstellen, ist erneut ein Rückgang im Jahr 2024 um 41,8 % im Vorjahresvergleich festzustellen und erreicht somit mit 1.226 Fällen einen Tiefststand im Siebenjahresvergleich. Der Vermögensschaden erhöhte sich von 2,6 Millionen Euro auf 3,1 Millionen Euro.
Bei den vollendeten Taten ergab sich ein Rückgang von 28,6 %, auf nunmehr 237 Fälle. Gerade der Callcenter-Betrug war in den vergangenen Jahren ein Präventionsschwerpunkt der unterfränkischen Polizei. Dem Phänomen wurde mit Kampagnen wie „Leg auf!“, „Ich schütze Oma und Opa“ sowie „Chill mal Oma“ begegnet.
Die unter Gewaltkriminalität zusammengefassten Delikte stiegen im Berichtsjahr um rund 2,8 % auf 1.862 Fälle an und erreichten ein Zehnjahresmaximum. Die Aufklärungsquote sank leicht und liegt in dieser Deliktsgruppe bei nunmehr 86,6 %. Mit rund 79 % stellen die Straftaten der gefährlichen und der schweren Körperverletzung hierunter den größten Anteil mit 1.465 bekanntgewordenen Fällen.
Weitere rund 13 % stellen Raubdelikte mit 238 Fällen in dieser Gruppe dar. Bei den Straftaten gegen das Leben (Mord und Totschlag) wurden 2024 40 Straftaten registriert.
Entwicklungen in Bezug auf Tatverdächtige
Die unterfränkische Polizei konnte im Jahr 2024 23.948 Tatverdächtige ermitteln. Der Anteil der erwachsenen Tatverdächtigen stieg leicht auf 80,0 % an.
Der Anteil der tatverdächtigen Kinder stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 3, 8 %, der der tatverdächtigen Jugendlichen sank um 0,9 Prozentpunkte auf 8,4 %.. Der Anteil der Heranwachsenden sank auf 7,9 % der Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen.
Die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg im Berichtsjahr von 8.569 auf 8.903 Verdächtige an. Diese stellen damit rund 37,2 % der Gesamtzahl der Tatverdächtigen.
Die Anzahl der tatverdächtigen Zuwanderer, als Teilgruppe der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg um 1,8 Prozentpunkte von 3.649 auf 4.000 Verdächtige an. Diese stellen somit 16,7 % der Gesamtzahl der Tatverdächtigen.
Verkehrsunfallentwicklung in Unterfranken
Die Anzahl der Unfälle hat sich im Jahr 2024 auf 38.329 (38.674) reduziert. Die Zahl der durch einen Verkehrsunfall getöteten Menschen sank erneut leicht auf 52 (54) und blieb damit im langjährigen Vergleich auf einem niedrigen Niveau.
Dieser positiven Entwicklung steht der Trend im Bereich der Fahrten unter Drogen- und Medikamentenbeeinflussung gegenüber. Sowohl die Anzahl der Unfälle als auch der folgenlosen Fahrten unter Drogeneinfluss nahm deutlich zu.
Im letzten Jahr zog die unterfränkische Polizei bei ihren Kontrollen mit 2.211 (1.523) Fahrern so viele Verkehrsteilnehmer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln aus dem Verkehr wie noch nie.
Unfälle unter Drogeneinfluss nahmen deutlich zu
Sorge bereitet die deutliche Zunahme an Verkehrsteilnehmern, die unter Drogeneinfluss ihr Kraftfahrzeug, Fahrrad oder E-Scooter führten. So stieg die Zahl der Verkehrsunfälle unter berauschenden Mitteln oder Medikamenten um rund 21 Prozent auf 109 (90). Um 80 Prozent erhöhte sich die Anzahl der dadurch Verletzten und stieg auf 65 (36), zwei (0) Menschen verloren ihr Leben.
Um 44 Prozent stieg die Anzahl der Kraftfahrzeugführer, die unter dem Einfluss von berauschenden Mitteln oder Medikamenten von der Polizei bei Kontrollen angehalten werden konnten. Die Zahl der sogenannten folgenlosen Fahrten unter Drogeneinfluss erhöhte sich somit von 1.523 auf 2.211.
Im Bereich der Fahrten unter Alkoholeinfluss nahm die Zahl der folgenlosen Trunkenheitsfahrten leider erneut zu, blieb mit 1.837 (1.669) Beanstandungen jedoch unter dem Wert der Fahrten unter Drogeneinfluss. Bei insgesamt 499 (499) Alkoholunfällen verletzten sich 257 (259) Menschen und 6 (3) verloren ihr Leben.
Das Polizeipräsidium Unterfranken wird im Jahr 2025 die Fahrtüchtigkeit daher noch stärker in den Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit stellen. Somit können sich die Verkehrsteilnehmer auf weiterhin zunehmende Verkehrskontrollen auf unterfränkischen Straßen einstellen.
Ziel ist es dabei, rücksichtslose Fahrer, die sich unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ans Steuer setzen und damit das Leben oder die Gesundheit der anderen Verkehrsteilnehmer gefährden, aus dem Verkehr zu ziehen.
Höchststand der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Pedelecs
Die Anzahl der Pedelec-Unfälle hat mit 648 (425) einen neuen Höchststand erreicht. Seit 2020 hat sich die Zahl der Unfälle somit um 376 erhöht. Auffällig ist, dass nahezu jeder Pedelec-Unfall Verletzungen nach sich zieht. So verletzten sich im vergangenen Jahr 597 (384) Personen und 6 (3) Menschen starben bei Pedelec-Unfällen.
Um dieser negativen Entwicklung entgegenzutreten, wird die Polizei die bereits im letzten Jahr erfolgreich angebotenen Pedelec-Kurse weiter ausbauen und hier insbesondere die Senioren ansprechen. Denn diese Altersgruppe ist überproportional an Unfällen mit Pedelecs beteiligt, was in vielen Fällen an der fehlenden Übung und einer Unterschätzung der gefahrenen Geschwindigkeit liegt.
Mit der Kampagne „KopfEntscheidung“ sollen weiterhin alle Fahrradfahrer an die Wichtigkeit des Fahrradhelms erinnert werden. Denn auch die Zahlen aller Radfahrunfälle zeigen in den letzten Jahren stetig nach oben.
So verunfallten im Jahr 2024 1.559 (1.386) Fahrradfahrer. Dabei kam es in 1.449 (1.258) Fällen zu Verletzungen und in neun (5) Fällen verloren Menschen ihr Leben.
Zahl der Unfallverletzten steigt – Jeder vierte tödliche Unfall aufgrund überhöhter Geschwindigkeit
Die unterfränkische Polizei registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 38.329 (38.674) Unfälle. Leider nahm die Zahl der Verletzten im letzten Jahr wieder zu und stieg auf 5.503 (5.234).
Überhöhte Geschwindigkeit ist weiterhin die Hauptunfallursache bei Unfällen mit schwer- und tödlich verletzten Verkehrsteilnehmern. Die Zahl der bei Geschwindigkeitsunfällen getöteten Personen stieg von 12 auf 13 und die der Verletzten stieg von 618 auf 638.
Das Polizeipräsidium Unterfranken macht es sich auch im Jahr 2025 zum Ziel, Geschwindigkeitsübertretungen weiterhin konsequent zu überwachen und hierdurch vor allem die schweren Folgen von Verkehrsunfällen zu mindern.
Unfälle unter Beteiligung von Senioren nehmen weiter zu und erreichen Höchststand
Die Anzahl der Verkehrsunfälle, an denen Menschen ab 65 Jahren beteiligt waren, nahmen erneut zu und erreichten mit 3.142 (2.996) einen neuen Höchststand.
Bei diesen Unfällen verletzten sich 768 (694) Menschen 19 (14) Menschen verstarben. Diese Entwicklung ist auch dem demografischen Wandel und der zunehmenden Mobilität von Senioren geschuldet.